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Refugio braucht weiterhin Hilfe

SÜDKURIER Online 23.01.2019, Roland Sprich

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Astrid Sterzel (rechts) und Brigitte Güntter danken den Spendern von Herzen. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

Eine Welle der Hilfsbereitschaft erreichte den Verein Refugio. Nachdem durch einen SÜDKURIER-Bericht Anfang Dezember bekannt wurde, dass dem psychosozialen Zentrum für seine Arbeit, traumatisierte Flüchtlinge psychotherapeutisch und pädagogisch zu unterstützen, für das laufende Geschäftsjahr noch rund 30 000 Euro fehlen, kam innerhalb kürzester Zeit weit mehr als die benötigte Summe durch Spenden zusammen. Derweil setzt sich die Finanzierungs-Zitterpartie des Vereins für dieses Jahr fort.

"Wir sind unendlich dankbar für die zahlreichen großen und kleinen Spenden, die uns erreicht haben", sagt Refugio-Geschäftsführerin Astrid Sterzel. Ihr und Vorstandsmitglied Brigitte Günter ist es ein großes Anliegen, sich bei den zahlreichen Unterstützern zu bedanken. Insgesamt kamen durch den Hilferuf bis Ende des Jahres 50 000 Euro zusammen. Weitere 5000 Euro konnte Refugio durch den Verkauf des Kalenders mit internationalen Koch- und Backrezepten seiner Klienten einnehmen. "Uns haben sehr viele Spenden aus VS-Schwenningen erreicht. Von Unternehmen und von Privatleuten", sagt Sterzel. Dies lag unter anderem darin begründet, dass die Vesperkirche Schwenningen auf einen Teil ihrer Unterstützung durch Sponsoren verzichtete und darum baten, Refugio zu unterstützen.

Zwar freut sich das Vorstandsteam, aus dem Jahresüberschuss zwischen 20 000 und 30 000 Euro in die Rücklagen packen zu können. Doch wirklich gelöst ist das Problem der Finanzierung nicht. "Wir starten in das neue Jahr mit der gleichen Unsicherheit, was die Finanzierung betrifft", so Sterzel. Demnach sind derzeit noch mehrere Projektanträge am Laufen. Bislang gibt es die Zusage vom Land, dass Refugio wie in den Vorjahren mit Mitteln in derselben Höhe wie 2018 unterstützt wird. Das entspricht 140 000 Euro. Damit wäre grade mal ein Drittel des benötigten Haushalts finanziert. "Für 2020 wurde bereits angekündigt, dass es noch schwieriger werde, eine Unterstützung zu bekommen." Dabei sei das Land verpflichtet, sich um die Flüchtlinge zu kümmern.

Als großer Unsicherheitsfaktor kommt dazu, dass bei einem EU-Antrag über 90 000 Euro erst im Herbst klar ist, ob er rückwirkend bewilligt wird. Auch sehe man keinen Willen der EU, die dringend benötigten Mittel aufzustocken. Die EU unterstütze keine Flüchtlinge mit dem Status der Duldung. Zwar seien zuständige EU-Parlamentarier bereits mehrfach von Refugio eingeladen worden. Bislang sei es aber zu keinem Treffen gekommen. "Aber wir bleiben weiter dran", so Astrid Sterzel.
Die Frage, ob Refugio einen Teil seiner Projekte einstellen und Unterstützungsprogramm kürzen müsse, wenn die notwendigen finanziellen Mittel künftig nicht mehr aufgebracht
werden können, muss Brigitte Güntter klar bejahen: "Auch wenn wir alles versuchen, um dies zu verhindern."

Wenngleich die große Flüchtlingswelle vorbei ist, die Zahl der zu betreuenden Personen nimmt nicht ab. Im Gegenteil. "Oft kommen Traumata erst nach Jahren zum Vorschein." Auch der Aufgabenbereich wächst. Inzwischen kämen verstärkt Anfragen von Kliniken und ambulanten Einrichtungen oder auch Jobcentern, die von Refugio in Sachen Traumata in Verbindung mit Flucht und Asyl geschult werden wollen.

Refugio:
Aktuell betreut Refugio 200 Flüchtlinge aus sechs Landkreisen, die aufgrund ihrer Flüchtlingstraumata in therapeutischer Behandlung sind. Die Hälfte von ihnen kommt aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis. Der Gesamthaushalt beträgt 400 000 Euro. Davon sind 90 Prozent Personalkosten. (spr)

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