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Eine Annäherung der Kulturen

Südkurier, 02.05.2016, Tobias Lange
 
Menschen mit unterschiedlichen Kulturen einander näher bringen: Das ist das Zieleines mehrmonatigen gemeinsamen Projekts des Gymnasiums am Hoptbühl und Refugio Villingen-Schwenningen. Bei einer Auftaktveranstaltung im Gymnasium hatten die Schüler jetzt die Möglichkeit, Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern kennen zu lernen und ihnen Fragen zu stellen.
Hintergrund für die Aktion war der Adventsbasar der Schüler des Gymnasiums, bei dem 1400 Euro an Spenden gesammelt worden seien, verriet Schülersprecher Micha Baab. Dieses Geld sei Refugio VS angeboten worden. Doch anstatt es selbst zu verwenden, machten die Flüchtlingshelfer den Schülern den Vorschlag, mit dem Geld ein eigenes Projekt mit Flüchtlingen auf die Beine zu stellen. Daraus entwickelte sich das Kooperationsprojekt, an dem rund 100 Menschen, zu gleichen Teilen Schüler und Flüchtlinge, teilnehmen sollen.
Im Vordergrund der Auftaktveranstaltung standen die Geschichten der Flüchtlinge. Auf Deutsch erzählte der 19 Jahre alte Afghane Mohammad Sher Kahn (oder, „weil es leichter ist“, Kahnie genannt) davon, dass er beinahe bei einer Bombenexplosion vor einer Schule getötet worden sei. „Niemand will seine Heimat freiwillig verlassen“ schildert er. „Aber die Leute haben dort keine Zukunft. Hier kann man frei denken, sprechen und arbeiten.“ In den drei Jahren, in denen er in Deutschland lebt, habe er seinen Realschulabschluss machen können. Als nächstes strebt er das Abitur und ein Physik-Studium an.
Wie er erfahren hat, dass es in Deutschland so viele Möglichkeiten gebe, wollte eine Schülerin wissen. Das sei schon in Afghanistan bekannt gewesen, antwortete Kahnie. „Die wissenschaftlichen Fächer an der Universität waren auf Deutsch.“ Eine weitere Frage lautete, ob er sich in Deutschland wohl und sicher fühle. „Ich habe keine Probleme, deshalb bin ich noch hier“, scherzte der Afghane. Er verstehe sich sehr gut mit den Menschen.
Eine andere Geschichte erzählte der 52 Jahre alte Nigerianer Torfik Bello. „Mein Vater war das religiöse Oberhaupt unseres Dorfes“, sagt er. Er selber habe Wirtschaft und Politikwissenschaft studiert und wollte auch in diesen Bereichen arbeiten. Nach dem Tod des Vaters habe die Familie aber darauf bestanden, dass er die Rolle des Verstorbenen übernehme. Schließlich sei er wegen der Konflikte zwischen Christen und Muslimen im Land geflohen.
In Libyen habe er eine Zeit lang als Mechaniker gearbeitet, bis auch hier der Bürgerkrieg ausbrach und er erneut fliehen musste. Über das Mittelmeer sei er nach Griechenland gekommen. „Von dort folgte ich einer Flüchtlingsgruppe nach Deutschland.“
Auf seine Familie angesprochen muss er lächeln. Frau und Kinder seien mit ihm nach Deutschland gekommen. „Bei der Flucht hatte ich zwei Kinder“, sagte der Nigerianer. „Ein drittes ist in Deutschland geboren.“
Nun lebt er mit seiner Familie in Tuttlingen, arbeitet und lernt Deutsch. „Ich bin den Deutschen sehr dankbar“, sagte er. Dennoch fühle er sich unsicher, da sein Asylverfahren noch nicht abgeschlossen und sein Bleiberecht nicht sicher sei.
 
Projektplan
Nach der Auftaktveranstaltung am Gymnasium am Hoptbühl sind folgende Veranstaltungen geplant. Am Samstag, 18. Juni, werden Schüler und Flüchtlinge einen gemeinsamen Tagesausflug unter dem Motto „Erkunden der alten / neuen Heimat“ unternehmen. Dazu sollen die Schüler Vorschläge für mögliche Ziele in der Umgebung machen. Am Tag darauf, am Sonntag, 19. Juni, ist eine Schreibwerkstatt geplant, bei der Erlebnisse und Eindrücke gemeinsam festgehalten werden. Der Abschluss des gemeinsamen Projekts wird laut Planung am Dienstag, 26. Juli, mit einem interkulturellen Sommerfest gefeiert. (tol)

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