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Flüchtlingshilfe braucht Management

Südkurier, 20.04.2016, Alexander Hämmerling
Werte und Werteorientierung in Wirtschaft und Gesellschaft – so lautete das Thema, das jetzt ein Kongress an der Dualen Hochschule in VS-Schwenningen diskutiert hat. Zu den Vorträgen aus den Bereichen Controlling, Unternehmensstrategien und –führung gehörte auch ein ungewöhnlicher Beitrag: Die Geschäftsführerin des Flüchtlingshilfevereins Refugio VS, Astrid Sterzel, gab Einblicke in die Arbeit ihrer Organisation. Dabei wurde deutlich: Refugio muss als Kontaktstelle für traumatisierte Flüchtlinge unter zunehmend finanziell als auch personell schwierigen Bedingungen agieren, zumal der Hilfebedarf bei den Flüchtlingen sehr groß ist. In ihrem Vortrag „Gut gemeint ist noch nicht gut gemacht – Wertorientierung plus Professionalität als Fundament der Arbeit einer (sozialen) NGO (Nichtregierungsorganisation)“ ging Sterzel alleine in Baden-Württemberg von 10 000 bis 20 000 psychisch behandlungsbedürftigen Flüchtlingen und Asylbewerbern aus.
Etwa 200 Betroffenen kann Refugio mit seinen vier festangestellten Mitarbeitern, 20 Honorarkräften und Ehrenamtlichen pro Jahr solche professionelle Hilfe anbieten. Schwerpunkte sind psychotherapeutische oder sozialrechtliche Begleitung und Betreuung. Die Warteliste für einen eventuell positiven Betreuungsbescheid beträgt mittlerweile sechs bis acht Monate
Und wie kommen hier Wertorientierungen ins Spiel? „Wertorientiert bedeutet es, professionell zu arbeiten. Seit 2011 ist das bei uns sehr notwendig geworden“, so Sterzel. Dabei fühlt sich Refugio zunehmen für Aufgaben eingesetzt, die der Staat nicht wahrnehme. „Das Gesundheitswesen ist auf die Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge nicht eingestellt“, zitiert Sterzel die Integrationsministerkonferenz 2015.
Bei den steigenden Zahlen von Hilfsbedürftigen ist die Finanzierung eine komplizierte und aufwändige Angelegenheit. 50 Prozent der Mittel stammen aus der öffentliche Hand. Pro Fall erhält Refugio nach dem Asylbewerberleistungsgesetz eine reguläre Erstattung von 15 Prozent. Seit 2012 erhalte man auf Antrag, mit Zusage bis 2016, Fördergelder durch das Bundesland.
Im Schnitt sind dies 28 Prozent, der Landkreis ist mit sieben Prozent beteiligt. Projektgelder und Spenden bilden somit das zweite Standbein mit 48 Prozent. Für die Geschäftsführerin ein bürokratische Hochleistung, es gibt am Ende bis zu fünf Kostenträger pro einzelnem Patient.
Ein Lichtblick ist das Engagement von hochqualifiziertem Personal in ehrenamtlicher Funktion. Zwei Senioren im Ruhestand hätten jüngst ihre Dienste zugesagt.

Aufmerksame Zuhörer lauschen dem Vortrag von Astrid Sterzel beim Kongress zu Fragen der Wertorientierung an der Dualen Hochschule in VS-Schwenningen. | Bild: Alexander Hämmerling

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