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Riesenandrang beim Benefiztermin für Refugio VS (Südkurier 24.11.2015)

Riesenandrang bei Benefiztermin für Refugio
Südkurier, 24.11.2015, Christina Nack

300 Teilnehmer im Kaisersaal der Seniorenresidenz. Flüchtlinge und Einheimische lernen sich kennen 

Der Versuch gegenseitigen Kennenlernens ist mehr als gelungen: Gut 300 Flüchtlinge, Menschen aller Generationen aus der Stadt, vor allem Bewohner der Seniorenresidenz am Kaiserring, füllen am Samstag den dortigen Kaisersaal und sind einander nicht nur körperlich nah, sondern auch innerlich verbunden. Nach dem Motto Alte Heimat, neue Heimat erzählen Asylbewerber ihre Schicksale, Musik- und Wortkunst aus heimischen und fremden Kulturkreisen öffnen die Herzen füreinander.

Der enorme Andrang übertrifft die Erwartungen und bestätigt den Bedarf an Kommunikation und auch non-verbaler Begegnung. Unter die Senioren im Publikum haben sich viele einheimische Gäste und Asylbewerber vorwiegend aus Afrika gemischt, aus denen sich auch die Band Afringen zusammensetzt. Sie eröffnet mit fetziger Trommelmusik den unkonventionellen Kulturaustausch und sorgt auf Anhieb für fröhliche Offenheit. Viele Kinder haben es sich auf Sitzmatten vor den Stuhlreihen gemütlich gemacht oder wuseln herum. Die erwachsenen Flüchtlinge verlieren schnell ihre anfängliche Schüchternheit, genießen Kaffee und Kuchen und das Gefühl, wichtig und willkommen zu sein.

Das unterstreichen auch Heimleiterin Ina Klietz, die zudem das Villinger Bündnis für Familie und Senioren repräsentiert, und Astrid Sterzel von Refugio. Die drei Einrichtungen haben den langen Benefiznachmittag organisiert, „Kunst und Kultur mit und für Refugio VS“ lautet der Untertitel; die Spenden kommen der Flüchtlingshilfeorganisation zugute. Warum sie dessen Hilfe brauchen, erzählen die Asylbewerber aus afrikanischen Staaten, aus Iran, Irak und Sri Lanka selbst. Ihr hartes, gebrochenes Englisch ist manchmal schwer zu verstehen, Refugio-Mitarbeiterinnen übersetzen und moderieren.

Ein junger Mann aus Nigeria stellt sich als Sohn eines Voodoo-Priesters vor, in dessen Fußstapfen er habe treten sollen, aber nicht wollen. Sein Clan habe seinen Wunsch, Christ zu werden, nicht respektiert, sondern versucht, ihn mit Gewalt zur vermeintlich angeborenen Berufung zu zwingen. Da sei er geflohen. Ein Flüchtling aus Gambia beschreibt in dürren Worten die Diktatur in seinem Land, die von der Weltöffentlichkeit kaum bemerkt werde. Willkürliche Verhaftungen und Folter seien an der Tagesordnung. Die Biographien der Menschen, die das Publikum an diesem Nachmittag kennen lernt, sind sehr unterschiedlich; gemeinsam ist die Flucht als Konsequenz aus einer sonst ausweglosen Lage. Die Zuhörer lauschen tief berührt und zeigen mit ihrem Beifall Sympathie und Mitgefühl für die Neuankömmlinge. Insbesondere die vielen Senioren dürften sich an ihre eigene Geschichte erinnert haben, die vom Zweiten Weltkrieg geprägt ist und ebenfalls mit Flucht, Vertreibung, Angst und Tod zu tun hat.

Musikalische Beiträge zwischen den ernsten Gesprächsphasen lockern die Stimmung und vermitteln ein Gefühl für unterschiedliche Mentalitäten und kulturelle Traditionen. Der 40-köpfige Frauenchor Just for Femmes beschwört mit lyrischen Liedern Frieden, Freiheit und die Liebe. Peter Walter, Uta Bösinger und Karin Pittner vom Villinger Brennpunkttheater reflektieren mit wortgewaltigem Poetry Slam über Gott und die Welt und die Herausforderungen unserer Zeit; Margarete Lempp bringt sie mit dem Gedicht Flüchtling poetisch auf den Punkt. „People in Villingen-Schwenningen is good, but we are also good people“, ruft der Asylbewerber aus Gambia emphatisch ins Publikum, das mit seinem Beifall einmal mehr Verstehen und Verständnis signalisiert. „Die Menschen hier sind gut, aber wir sind auch gute Menschen.“

 

Über die Arbeit von Refugio

Refugio-Kalender: Der neue Refugio-Kalender 2016 besteht aus Zeichnungen und Gemälden von Flüchtlingen. Er wurde beim Begegnungsnachmittag bestaunt und eifrig gekauft. Der Erlös kommt der Trauma-Arbeit von Refugio zugute. Der Kalender ist bei Morys Hofbuchhandlung erhältlich und kann auch im Internet bestellt werden: refugio.vs@t-online.de.

Am Rande der Kapazitäten: „Wir kommen an unsere räumlichen und personellen Grenzen“, fasste Astrid Sterzel, Geschäftsführerin von Refugio, die aktuelle Situation innerhalb der Flüchtlingshilfeorganisation zusammen. Das zur Zeit sechs- bis siebenköpfige psycho-therapeutische Team suche fachliche Verstärkung. Allein Refugio-Sozialarbeiterin Veronika Herz betreue zur rund 150 Klienten. Auch mit Blick auf die erwarteten Flüchtlingsgruppen im Frühjahr müsse der Dolmetscher-Pool erweitert werden. Gefragt seien insbesondere Arabisch, Kurdisch, Tschetschenisch und Georgisch.

Schulungsbedarf: Überall im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es einen großen Schulungsbedarf, den Refugio mit eigenen und mit Honorarkräften abzudecken versucht. Mit den Schulungen sollen Kindergärten, Schulen und Behörden auf den Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen vorbereitet werden.

Logistische Herausforderung: Refugio ist für die traumatherapeutische Betreuung von Flüchtlingen aus zehn Landkreisen zuständig. Das berge organisatorische Probleme schon bei der Beförderung. Sprechstunden und Therapiezeiten müssen mit Bus- und Zugfahrplänen abgestimmt werden.


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