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Die Finanzierung von Traumabehandlungen für Flüchtlinge steht auf dem Spiel - MdB Kerstin Andreae unterstützt bei Besuch vor Ort Forderung der Strukturfinanzierung

Südkurier, 21.07.2015  

Villingen-Schwenningen Refugio VS sieht eigene Arbeit in Gefahr

Durch ausgebliebene Fördergelder und ein neues Gesetz fallen wichtige Säulen der Finanzierung des psychosozialen Zentrums Villingen-Schwenningen weg: bis zu 140000 Euro sollen in diesem und im nächsten Jahr fehlen.

Das psychosoziale Zentrum Refugio Villingen-Schwenningen sieht die Finanzierung der Trauma-Therapie von Flüchtlingen, und damit auch seine eigene Arbeit, gefährdet. Grund ist sowohl eine Gesetzesänderung, als auch wegfallende Förderungen durch die Europäische Union. Für 2015 und 2016 fehlen dadurch rund 120 000 bis 140 000 Euro, sagt Geschäftsführerin Astrid Sterzel. Aus diesem Grund, und auch um von den Erfahrungen der Einrichtung zu lernen, kam gestern die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Grünen, Kerstin Andreae, zum Gespräch nach Villingen.

„Wir brauchen Unterstützung, sonst können wir nicht mehr lang helfen“, fand Astrid Sterzel eindrückliche Worte. Das neue, bereits verabschiedete Gesetz sehe vor, dass sich Landkreise nach 15-monatigem Aufenthalt eines Flüchtlings aus der Finanzierung von Therapien zurückziehen können, erklärt die Geschäftsführerin. Dann greife die gesetzliche Krankenkasse. Diese erkennen die fünf psychosozialen Zentren in Baden-Württemberg allerdings nicht an, insbesondere wenn Dolmetscher für die Behandlung benötigt würden.

Mitte Juni diesen Jahres kam zudem die Absage für beantrage EU-Fördergelder, bis 2017 fehlen so jährlich 60 000 Euro. Nicht aus formalen Fehlern, wie Astrid Sterzel betonte, sondern aufgrund von zu wenig eingeplanten Geldern bei der EU. „Wir werden sehen, wie schnell wir Ersatzförderungen bekommen“, sagt Sterzel. Nun gelte es, die bestehenden Finanzierungssäulen zu sichern: Bund und Land, Projektmittelgeber, wie die Kirche oder die zahlreichen Spender. „Die Situation ist prekär“, erläutert Astrid Sterzel.

Mehr Flüchtlinge und mehr Arbeit

Von 2013 bis 2014 stieg die Zahl der behandelten Flüchtlinge um rund 27 Prozent, heißt es von Seiten der Einrichtung. Der Handlungsbedarf stieg allerdings noch höher: 40 Prozent mehr Gesprächsstunden waren in diesem Zeitraum nötig. „Es ist jeden Tag eine neue Entscheidung. Therapien von Flüchtlingen mit einer Aufenthaltserlaubnis und in sicherem Zustand beenden wir teilweise früher als sonst, um andere Flüchtlinge aufnehmen zu können“, schildert die Geschäftsführerin. „Die Notwendigkeit für weitere Einrichtungen besteht, aber die können nicht einfach aus dem Boden wachsen“, ist sich die Bundestagsabgeordnete Andreae bewusst. Es seien berechtigte Forderungen, die die psychosozialen Einrichtungen an Bund und Land stellen, sagte Andreae. Das Land sei durch aufgestockte Fördergelder bereits auf einem guten Weg, nun gelte es, dass auch der Bund miteinsteige.

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