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Sie entfliehen ihrer Traumatisierung

Schwarzwälder-Bote, 09.09.2015

Die Firma Visutec, seit 2012 Ausrüster von Konferenz- und Besprechungsräumen mit Sitz im Brigach-Business-Center in Villingen, brachte den Stein ins Rollen. Arno und Nataša Sauter hatten Fitness-Gutscheine bei einem Verkaufswettbewerb des Samsung-Konzerns gewonnen, die eigentlich für ihre Mitarbeiter gedacht waren.

Seit 2000 im Land und nur geduldet

Doch es kam anders: Refugio, die Hilfsorganisation für traumatisierte Flüchtlinge, erhielt die Gutscheine sowie eine Spende zur Abdeckung von Fahrtkosten und leitete sie an die Männer weiter. Bald liegen sechs Wochen Training hinter ihnen.

"Ich habe keine Rückenschmerzen mehr", sagt der Kurde Marivan Al-Jaf aus dem Nordirak. Er ist schon seit 2000 in Deutschland und nach wie vor nur geduldet. Sein Antrag liegt beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zuunterst.

"Vor 15 Jahren gab es noch keine IS-Angriffe im Nordirak", erklärt Astrid Sterzel von Refugio. Obwohl Al-Jaf inzwischen sehr gut deutsch spricht und im Markus-Kindergarten aushilft, erhielt er bis heute auch auf einen Folgeantrag keine Reaktion.

Muhammed Bakkoura ist der Vater von vier Söhnen und einer Tochter. Mit Majd (19) und Ayham (18) besucht er regelmäßig das Fitnessstudio, es geht ihm viel besser. Seine Familie lebt seit einem Jahr in Deutschland und ist noch nicht einmal registriert. In Baden-Württemberg einmalig: Alle noch nicht Registrierten haben per se eine Duldung bekommen. Bedeutet für die Bakkouras: Sowohl Deutschunterricht als auch Arbeit bleibt ihnen deshalb verwehrt.

Majd hat das ägyptische Abitur in der Tasche und möchte gerne studieren. Ayham will das Abitur noch machen. Vater Muhammed wäre als Karosseriebauer auf dem deutschen Arbeitsmarkt willkommen. Was die Bakkouras nicht verstehen: Familien, die erst wenige Monate hier sind, besitzen bereits eine Aufenthaltserlaubnis.

Asylverfahren schwebtseit drei Jahren

Auch der 20-jährige Tamile Risikesan Indirakumar genießt die Besuche im Fitnessstudio und das Training an den Geräten. Sein Asylverfahren schwebt seit drei Jahren. Das "Injoy" hat die sechs eigentlich zeitlich begrenzten Gutscheine ausgeweitet, sodass die Flüchtlinge jeden Tag kommen dürfen. Und sie lassen eine siebte Person, einen jungen Eritreer, ebenfalls mittrainieren.

In dieser Woche enden die Trainingswochen. "Es wird weitergehen", stellt Arno ­Sauter in Aussicht und spricht damit auch für den Injoy-Betreiber. "Es wäre aber schön, wenn sich noch mehr Unternehmen auf diese Weise engagieren", sagt Nataša Sauter.

Für Astrid Sterzel und Viktoria Herz von Refugio und ihre Schützlinge wäre das ein Segen angesichts der zurzeit unhaltbaren Zustände in der Organisation von Flüchtlingsversorgung.

Es klemmt an allen Ecken und Enden. Die Arbeit von Refugio sei nur durch viele Spender zu schaffen, sagt Geschäftsführerin Astrid Sterzel. Neben ehrenamtlicher Hilfe wird vor allem Geld benötigt.

Weitere Informationen: Bankverbindung im Internet unter www.refugio-vs.de

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