Von Sabrina Deckert

Ortenau. Zum runden Tisch "Asyl" hatte die Wolfacher CDU-Bundestagsabgeordnete Kordula Kovac nach Gengenbach geladen. Ihr Hauptanliegen: Wer macht was? Was läuft dabei gut, was schlecht? Und wer könnte sich mit wem vernetzen?

Der Einladung waren Vertreter aus allen Bereichen gefolgt: Kindergarten- und Schulleiter, Vertreter der Kirchen, ehrenamtlich Engagierte, Horst Sahrbacher, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, und auch Alexandra Roth, Leiterin des Migrationsamts des Ortenaukreises. Sie alle waren sich, institutionenübergreifend, einig: die Themen Trauer und Trauma, Sprache, kulturelle Unterschiede, Vernetzung, öffentlicher Nahverkehr und die Frage nach dem "wer bezahlt das?" sind die Probleme, die ihre Arbeit täglich zu einer Herausforderung werden lassen.

So berichtete beispielsweise Astrid Sterzel, Geschäftsführerin des "Refugio" in Villingen-Schwenningen, einem Zentrum, das traumatisierten Flüchtlingen hilft, dass gesetzliche Krankenkassen die Therapiekosten für Traumatisierte, die eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland erhalten haben, nicht bezahlen, da die Dolmetscherkosten von den Kassen nicht übernommen werden. "Deswegen wird die ganze Therapie für diese Menschen nicht finanziert", so Sterzel. Etwa 40 Prozent der Asylbewerber bräuchten psychologische Hilfe um mit dem Erlebten klar zu kommen – die Hilfe wird aber nur bezahlt, wenn über den Asylantrag noch nicht entschieden worden ist. Und auch dann ist die Nicht-Regierungs-Organisation auf Spenden und finanzielle Zuschüsse angewiesen, um den Menschen helfen zu können. "Mehr Platz für die Familien in den Heimen würde auch schon helfen", regte Sterzel an. "Und die Sozialbetreuung muss auch nach dem Auszug aus den Gemeinschaftsunterkünften weitergehen. Es braucht individuelle Nachhilfe für die Kinder, einen Dolmetscherpool, der institutionsübergreifend wirkt." Nicht nur Kovac nickte bei den Vorschlägen zustimmend – auch die anderen Helfer in der Not sahen die Pro-bleme. Denn sie kennen sie aus ihrer eigenen Arbeit. Erzieher im Kindergarten seien, so sagte Matthias Blechinger, Geschäftsführer Kindergärten bei der Caritas, oft überfordert mit den Kindern, die kein Wort oder nur schlecht Deutsch sprechen – und manchmal einfach nach wenigen Wochen wieder die Einrichtung verlassen, weil sie in eine andere Stadt zur sogenannten Anschlussunterbringung gebracht werden. "Die Kinder können nicht richtig ankommen – dann sind sie wieder weg." Ein weiteres Problem sei, dass die Busse zu den Kindergräten und Schulen nicht von einem Amt, sondern von den Familien selbst finanziert werden müssten. Dafür reiche bei vielen das Geld nicht aus.

Zu kämpfen haben auch die Schulen: In der Geschwister-Scholl-Schule etwa gibt es jetzt eine Weltklasse, in der die Flüchtlingskinder unterrichtet werden. Zwei Mal die Woche nehmen sie am regulären Unterricht in den Regelklassen teil, erklärte Rektor Ulrich Fischer. "Aber für manche Kinder, die eine Flucht durchgemacht haben, kommt die Einschulung zu früh – es wäre für sie und ihre Entwicklung besser, sie könnten noch im Kindergarten bleiben."

Aufgeben kommt für die Teilnehmer des runden Tisches nicht in Frage. Sie wollen gemeinsam mit der CDU-Bundestagsabgeordneten nach Lösungen suchen – möglichst schnell und unbürokratisch. Auch über mehr Netzwerkarbeit.

Die, die ihnen von Amts wegen dabei helfen sollen, Migrationsamtsleiterin Roth und ihr Team, arbeiten bereits am Limit. "Wir haben bis jetzt 1100 Flüchtlinge aufgenommen, haben Einrichtungen in 18 Städten und Gemeinden, unsere Sozialarbeiter verbringen ein Viertel ihrer Zeit auf der Straße", berichtete Roth. "Die Belastung ist im Moment sehr hoch, wir haben Arbeitsrückstände und viele Krankheitsausfälle."