Willkommen bei Refugio Villingen-Schwenningen e.V.


Helfer brauchen selber Hilfe



Von Flüchtlingen für Flüchtlinge: Diese Asylbewerber aus Syrien und Sri Lanka haben in Regie von Monika Broghammer (links) Bühnenbilder für ein Brennpunkt-Theaterstück mit Karin Pittner (Zweite von links) und Unterstützung von Veronika Herz (rechts) gestaltet. Die Motive zieren jetzt auch den Refugio-Benefizkalender.  Bild: Nack


Zurzeit könnte sich das Refugio-Team zerreißen. Die Hilfsorganisation, die sich auf die Unterstützung von traumatisierten Flüchtlingen spezialisiert hat, wird kaum mit der Arbeit vor der eigenen Haustür in Villingen-Schwenningen und im Schwarzwald-Baar-Kreis fertig. Inzwischen wird sie von Schulen, Kindergärten, Kliniken, Kirchen, Betrieben in ganz Süddeutschland regelrecht bedrängt, war von Geschäftsführerin Astrid Sterzel am gestrigen Montag bei einem Pressegespräch zu erfahren. Der Grund sind die vielen neuen Flüchtlinge aus Syrien, die auf Städte und Gemeinden verteilt wurden. Viele von ihnen sind traumatisiert, sprechen und verstehen kein Deutsch und kommen mit der Situation überhaupt nicht klar. Am dringendsten werden Dolmetscher und Trauma-Experten gebraucht. „Die Lage ist bedrückend.“

Flüchtlingssituation im Kreisgebiet


Die Hilferufe: Syrische Kinder sitzen im Kindergarten unterm Tisch und weinen, Jugendliche weigern sich beim Praktikum, durch einen Wald zu laufen, ein syrischer Junge, der im Krieg sein Augenlicht verloren hat, will nicht am Mittagstisch sitzen, weil er sich schämt. Solche Situationen häufen sich laut Astrid Sterzel im Alltag unterschiedlichster Einrichtungen: „Das Personal ist hilflos und überfordert, zumal eine verbale Verständigung nicht möglich ist“. Sie erhalte ständig Briefe von Lehrern, Erziehern, Ausbildern, Politikern, berichtete Astrid Sterzel, die Inhalte ähnelten sich. „Bitte helfen Sie uns beim Umgang mit Flüchtlingen aus Kriegsgebieten“. Kordula Kovac, CDU-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Schwarzwald-Baar aus Wolfach, beschreibt fehlende Erfahrungen beim Umgang mit traumatisierten Syrern, zu wenig Fachpersonal, zu wenig Dolmetscher und zu wenig Geld.Da Refugio in Süddeutschland die einzige Anlaufstelle für traumatisierte Flüchtlinge ist, häuften sich die Gesuche aus zunehmend größeren Radius. „Wir sind für zehn Landkreise zuständig, das ist nicht zu schaffen.“


Rat und Tat: Das vierköpfige Refugio-Team bot in den Landkreisen Freiburg und Offenburg Workshops für Ausbilder an; außerdem werden neuerdings regelmäßig Schulungen von Dolmetschern, Lehrkräften und Erziehern organisiert. Sie sollen Symptome deuten können und erkennen, wann professionelle Hilfe durch eine Traumatherapie nötig ist. Im übrigen seien Landkreise und Kommunen aufgefordert, wie etwa in Gengenbach runde Tische zu bilden und eigenständige Dolmetscher-Pools aufzubauen.

Situation im Kreisgebiet: 200 syrische Kriegsflüchtlinge wurden im Übergangswohnheim in den Villinger Erbsenlachen untergebracht, 100 in der Schwenninger Alleenstraße, weitere 50 verstreut in den kleineren Kreisgemeinden. Viele von ihnen sind laut Sterzel traumatisiert. Aktuell betreuen Traumatherapeutin Susanne Schupp und Sozialpädagogin Veronika Herz rund 150 Flüchtlinge aus Syrien und weiteren Nationen. Die Warteliste für eine Traumatherapie ist lang.

Suche nach Dolmetschern: Refugio arbeitet mit einer Arabisch-Dolmetscherin zusammen, die bei Bedarf von zwei Kollegen unterstützt wird. Das reiche nicht aus: „Wir brauchen einen institutionsübergreifenden Dolmetscher-Pool im Landkreis“. Insgesamt kann Refugio auf rund 20 Dolmetscher für zwölf Sprachen zurückgreifen. Weitere Übersetzer würden dringend gebraucht, vor allem für Arabisch, Kurdisch, Chinesisch und Georgisch.

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Psychosoziales Zentrum für traumatisierte
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