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Malen um zu vergessen

Flüchtlinge gestalten Bühnenbilder: Monika Broghammer, Karin Pittner und Veronika Herz (von links) rahmen die Männer aus Syrien und Sri Lanka ein.  Bild: christina nack

Eifer, Freude, Begeisterung stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Seit einer Woche gestalten zwölf Asylbewerber aus Sri Lanka und aus Syrien Bühnenbilder für eine Koproduktion des Brenntheaters mit Diakonischem Werk und Jugendmigrationsdienst. Die Integration von Flüchtlingen in die Theaterproduktion wurde durch Refugio vermittelt, wo die Kunsttherapeutin Monika Broghammer seit vergangenem August mit Flüchtlingen arbeitet. „Sie drücken aus, wofür Worte versagen“, fasste sie ihre Erfahrungen bei einem Pressegespräch im Brennpunkttheater zusammen.

Viele der allein stehenden Männer aus Krisen- und Kriegsländern sind traumatisiert, sagte Sozialpädagogin Veronika Herz, die seit Dezember 2013 bei der Flüchtlingshilfeorganisation angestellt ist. Von Februar und bis Ende Juni wird das Kreativprojekt vom Europäische Flüchtlingsfonds (EFF) finanziert. In Villingen-Schwenningen habe es sich bewährt; eine Fortsetzung sei wünschenswert. Das sieht auch Regisseurin Karin Pittner so, die mit „PIT“ (Partizipation und Integration durch Theater) eine eigenständige „Netzwerkarbeit“ koordiniert, bei der das Brennpunkttheater mehrfach „Schnittstelle“ sei, auch für Refugio. Die Gestaltung des Bühnenbilds mit Flüchtlingen geriet zum Schwerpunkt für sich, mit dem die kunsttherapeutische Begleitung durch Monika Broghammer zunächst angeschlossen wird.

Vier Monate lang bemühte sie sich, die Flüchtlinge zu non-verbaler Artikulation zu motivieren. Verbal kommuniziert wurde in englischen Brocken. Der Tamile Sivayohan, der seit 2011 auf seine gerichtliche Anerkennung als Asylant hofft, und der Syrer Resul, seit fast eineinhalb Jahren im Status der Duldung, sprechen recht gut deutsch und übersetzten häufig. Anfangs wurde gemeinsam getöpfert, dann auf Papier gezeichnet, schließlich kamen Farben ins Spiel. „Die wurden immer leuchtender, nach anfänglichen Hemmungen entwickelte sich allmählich eine Leichtigkeit in der Phantasie,“ rekapitulierte Monika Broghammer.

Die beiden „Dolmetscher“ beschreiben stellvertretend für ihre Landsleute beglückende Erlebnisse. „Das Malen war schön. Da können wir vergessen“, sagt der junge Mann aus Sri Lanka. „Ich habe viel gelernt, zum Beispiel mit Perspektive malen“, ergänzt sein Kamerad aus Syrien. Und deutet an, dass er sich auch nach einem Leben mit Perspektive sehnt. Daheim habe er nur im Supermarkt gearbeitet, Gelegenheit zu einer Ausbildung hatte er nicht. „Das geht bei uns nicht. Aber ich habe Lust auf Beruf. Vielleicht geht das hier.“ Die ungelernten Bühnenbildner übernahmen das tägliche Kochen und verwöhnten das gesamte Team. Auch dabei kamen sich die Menschen näher, lachten zusammen und genossen die Gemeinschaft. Karin Pittner formulierte ihr Fazit so: „Das ist Netzwerkarbeit im besten Sinne und eine tolle Erfahrung.“


Das Projekt

Drei Jahre dauert das interkulturelle PIT-Theaterprojekt, das von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen zwölf und 27 Jahren entwickelt wird. Alle haben einen Migrationshintergrund und erzählen in der szenischen Collage von Flucht, Ankunft im fremden Deutschland, Problemen, Heimweh. Die großformatigen Bühnenbilder der Refugio-Schützlinge sind variabel als Kulisse einsetzbar. Es entstanden unter anderem Waldlandschaft, Amtszimmer und Restaurant. Das Theaterstück wird im Juni 2015 im Theater am Ring aufgeführt. (cn)

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