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Lauter strahlende Gesichter (Bericht Südkurier 22.09.2014)

Kathravelu Udaykumar ist ein glücklicher Mann. Er strahlt über das ganze Gesicht, heute am Tag der offenen Tür bei der Flüchtlingsstelle Refugio. Denn er hat Glück gehabt im Leben. Und das gibt er als Dolmetscher hier bei Refugio ein wenig zurück an Menschen, die wie er aus der Heimat flüchten müssen.

Udaykumar selbst ist seit 1984 in Deutschland, flüchtete damals als 25-jähriger aus Sri Lanka. Und stellt heute erstaunt fest, wie schnell 30 Jahre vergehen können. Seit zehn Jahren ist er vereidigter Dolmetscher und hilft, wenn seine Dienste gebraucht werden. Denn immer noch kommen Menschen aus Sri Lanka, weil sie als Tamilen dort nicht leben können wie sie es sich wünschen.

Sprache, so Udaykumar, ist der Schlüssel für ein gutes Leben in Deutschland. Dieser habe ihm die neue Heimat erschlossen, trotz so unterschiedlicher Kultur und Gewohnheiten. Seine Frau, Anna Udaykumar nickt lächelnd zu diesen Worten. Sie war in den 80ern als Flüchtling zuerst in England gelandet, wo sie ihren Mann 1992 heiratete. Seither lebt sie ebenfalls in Deutschland, genauer gesagt in Schwenningen, mit Mann und Tochter Ramya Lina. Die kennt Sri Lanka eigentlich nur als Urlaubserlebnis, wie sie erzählt.

 

Nein, ein Leben dort könne sie sich nicht vorstellen, dafür ist sie zu sehr Deutsche, lacht Ramya und strahlt ebenso wie Mutter und Vater es tun in größter Herzlichkeit. Ab und an hilft sie dem Vater bei der Übersetzung, insbesondere wenn es um das Schriftliche geht. Sie hat im letzten Jahr an der Klosterringschule ihr Abitur gemacht und wird nun ein Studium in Consulting aufnehmen.

Die ersten dreieinhalb Jahre damals in Deutschland, erinnert sich Kathravelu Udaykumar, seien schwer gewesen. Doch nachdem sein Asylantrag anerkannt worden war, sei es bergauf gegangen. Heute ist er zutiefst dankbar für die Chance, die er hier bekommen hat.

Während man sich so unterhält, schieben sich interessierte Gäste durch die schmalen Gänge der Anlaufstelle in der Schwedendammstraße. Patricia Ödell, angestellt als Organisationskraft bei Refugio, verteilt schon den zweiten Stapel an Infoblättern. 70 Gäste sind in den letzten 90 Minuten hier erschienen, erstaunlich, wie sie bekennt. Da sind zum Beispiel Wolfgang Gerber, der extra aus Bonndorf angereist ist oder Gabriele Erdel aus Villingen. Beide sind gut gelaunt und, obschon nicht bekannt, sofort in Sympathie verbunden für eine gemeinsame Sache, der Unterstützung für traumatisierte Flüchtlinge.

Auch Refugio-Urgestein Monika von Mirbach ist erschienen. Ihr Herz, so erzählt sie, hänge noch sehr an der Stelle und der Abschied von ihrer Arbeit im letzten Jahr tue immer noch weh. Doch, so gesteht sie offen, habe sie einfach nicht mehr gekonnt, zu sehr hat die Arbeit an ihr gezehrt. An ihrer Seite ist Randa Esmaeel, die von Mirbach vor 13 Jahren, als sie aus dem Libanon nach Deutschland geflüchtet war, selbst betreut wurde.

Und auch hier ist die Dankbarkeit für die einstige Hilfe von der einen Seite, der Respekt vor dem Einlassen auf eine fremde Kultur von der anderen Seite mit den Händen zu greifen. Ebenfalls seit 13 Jahren ist Souad Alawie schon als Dolmetscherin für Refugio tätig. Perfekt in Arabisch und Deutsch ist die zupackende Frau eine offensichtliche Stütze für die Anlaufstelle und begrüßt viele der Gäste persönlich. Einen schöneren Tag der offenen Tür kann man sich kaum wünschen.

 

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